In der Werkstatt von Mme. Letourneau stellt die Soierie Vivante alte Webstühle aus, die aus fein geschnitztem Nussbaumholz gebaut sind. Zwei Webstühle sind Originalwebstühle, der dritte wurde 2008 in dieser Werkstatt untergebracht und wird gerade wieder aufgebaut. Er stammt aus dem 19. Jahrhunder, ist ein Bildwebstuhl und wurde in Croix-Rousse gebaut. Er wurde von M. Dumas genutzt.
Während der Führung können Sie die laufenden Webstühle betrachten. Sie werden das Prinzip der Weberei verstehen und auch die Jacquard-Mechanik. geführte Besichtigungen ohne Buchung: Dienstags bis Samstags um 14.00 und um 16.00r (Preise ansehen)
Madame Létourneau
Sie wurde 1912 als Henriette Dunoyer geboren und starb 2005.
Ihr Vater Jean Claude Dunoyer stammte aus der Region Saône et Loire und liess sich im Viertel Croix Rousse nieder. 1906 wohnte er mit seiner Frau in der rue Richan. Zwei Posamenten-Webstühle stehen hier, die im Jahre 1870 hergestellt wurden. Danach wurden sie mit Elektromotoren ausgestattet. Kurz nach Mme. Letourneaus Geburt fielen ihre zwei Brüder im Ersten Weltkrieg. 1925 musste Henriette den Beruf ihres Vaters erlernen und sich 54 Jahre lang 12 Stunden täglich mit den beiden Webstühlen beschäftigen. Nach ihrer Hochzeit übernahm sie die Werkstatt ihres Vaters. Mit Hilfe ihres Mannes erhielt sie 1976 die Medaille des besten Arbeiters Frankreichs. Sie arbeitete zum Beispiel für das Haus Duviard oder stellte die Kirschen-Ornamente für das militärarische Hutband her, die welweit verkauft wurden. Jedoch ging das Posamentengeschäft zurück: als 1978 Henriette Letourneau in den Ruhestand ging, waren nur noch 5 Posamentenwerkstätten in Croix-Rousse tätig. 1928 waren es dagegen nur noch etwa 1500.
Mme. Letourneau kämpfte 15 Jahre lang, um die Werkstatt und das Erbe der Weberei zu schützen und zu erhalten. Seit 1993 ist die Werkstatt dank der Soierie Vivante zur Besichtigung freigegeben.
Die Posamenten
Posamenten sind eine Bezeichnung aus vergangenen Zeiten, die für Kleidung oder Möbel gefertigte Ornamente beschrieb (Stickereien, Schnürchen und vor allem schmale Stoffstreifen, etwa Borten und Bändchen).
An Posamentenwebstühlen wie den hier ausgestellten kann man bis zu 18 Borten nebeneinander weben. Die Fertigung eines Bandes benötigt einen durch Rollen-, Seil- und Kammspiel von hinten nach vorne bewegten Kettfaden, und einen, durch ein oder zwei Schiffchen laufenden Kettfaden. Das Überkreuzen der Fäden und das so entstehende Muster werden durch die über dem Webstuhl sitzende Jacquard-Mechanik gesteuert. Die mit der Mechanik verbundenen Haken sind mit den Kettfäden durch senkrechte Fäden verbunden, sodass diese nach Belieben bewegt werden können.
Ein Karton wird mit Löchern versehen, die ein bestimmtes Design widerspiegeln. Die Löcher korrespondieren mit Nadeln, Haken und ermöglichen schliesslich einen Teil der Kettfäden anzuheben, sodass durch die entstehende Öffnung der Schussfaden gezogen werden kann. So kann man Breite und Farben der Stoffe nach Belieben ändern (dank den übereinanderliegenden Schiffchen). Der Reichtum der Stoffe hängt allerdings von den verwendeten Fäden ab. Oft wurden Gold- oder Silbergarne verwendet, die in der benachbarten Spitzenwerkstatt vorgefertigt wurden. Die Vertriebsmöglichkeiten waren damals ausgezeichnet, da zwei Drittel der Produktion in die drei Hauptbereiche Uniformentressen, Kirchenornamente und Dekorationsstoffe exportiert wurden.