Geschichte der Weberei

 

Die Fabrik in Lyon

 

Die Aufstände im 19. Jahrhundert

 

Debatten

 


Die Aufstände im 19. Jahrhundert (1831,1834,1848)

Hier finden Sie lediglich eine kurze Übersicht über die Aufstände. Es wurden umfangreiche Bücher über dieses epochale Drama von Croix-Rousse verfasst, das die gesamte Geschichte der Arbeiter geprägt hat.

Der Konflikt von 1831 entstand aus der Tariflohnfrage. In der Tat herrschten Krisenzustände, sodass die Preise von den Händler, die von der Krise 1830 selbst betroffen waren, gesenkt werden mussten. Der Preisabfall betrug 60% bei gemusterten Stoffen. Die Armut wurde unerträglich, da neue Aufträge dennoch weiterhin eingingen und viele Weber auf der Straße standen. Aus diesem Grund demonstrierten die Weber am 25. Oktober 1831 friedlich zusammen mit ihren Familien. Die Fabrikanten waren beeindruckt und betroffen. Ein großer Teil der Fabrikanten, angeführt von dem Präfekten Bouvier-Dumolart, war nun bereit, die Löhne zu erhöhen, doch ein Viertel der Weber war mit den neuen Tarifen nicht einverstanden. Die Pariser Behörden und die bürgerliche Garde Nationale setzen den Verhandlungen ein Ende und provozierten so einen Aufstand in Croix-Rousse, bei dem die Weber den Präfekten und den General der Armee gefangen nahmen.

Dank einer ausgefeilten Organisation und der strategisch vorteilhaften Stellung auf dem Hügel Croix-Rousse trugen die Aufständischen innerhalb von 48 Stunden den Sieg davon (21./22. November 1831). Es gab 105 Tote und 500 Verletzte, aber dennoch herrschte Ordnung, da die Meister den Aufstand regelten. Der Samtweber Martin Buisson führte die Aufständischen an und versuchte, Ordnung zu halten. Selbst die unpolitischen Weber, die sich dem Aufstand nicht angeschlossen hatten, wollten "nichts als Ordnung und Frieden". Doch die Weber wussten nicht recht mit ihrem Sieg umzugehen. Der Präfekt und die lokalen Oberhäupter wurden wieder ins Amt gesetzt und der Tarifvertrag festgelegt. Es kam jedoch ganz anders, da die Pariser Regierung den Konflikt nun als bedrohlich ansah. Louis-Philippe sandte seinen Schwiegersohn, den Grafen von Orleans, mitsamt einer 25.000-köpfigen Armee aus, die von Marschall Soult kommandiert wurde. Die Stadt wurde am 3. Dezember 1831 von der Armee besetzt und der Präfekt abgesetzt, da er zu versöhnlich mit den Webern umgegangen war. Auch der ausgehandelte Tarif, der Ursprung des Konflikts, wurde wieder abgeschafft.

Der Niedergang konnte dem Aufstand jedoch nicht seine immense Bedeutung nehmen, zumal die Anführer des Aufstands nicht verurteilt wurden.

Der Aufstand von 1834 hatte, im Gegensatz zum Aufstand von 1831, ein politisches Ziel, was ein Zeichen dafür war, dass die Volksunzufriedenheit 1834 weiter bestand. Im Februar weitete sich ein Streik der Weber von Croix-Rousse auf andere Viertel aus, u. a. Vaise. Die Ziele der Weber wurden nun mit der (Partei-)Politik vermischt. Die Republikaner wollten von den Ereignissen profitieren und lehnten sich gegen die Julimonarchie auf, die viele Freiheiten eingeschränkt hatte.  Seit dem Aufstand von 1831 waren die Weber bei den Händlern gefürchtet, weshalb sie eine Armee von 10.000 Soldaten rekrutieren ließen. Croix-Rousse wurde dieses Mal aber nicht zum Zentrum des Aufstandes, denn die ersten Massaker fanden in Vaise statt. Die Ordnung in Lyon wurde ziemlich schnell wiederhergestellt, zumindest für die nächsten Jahre. In diese ruhigen Zeiten geschah ein Aufschwung des Seidengeschäfts.


Die Revolte von 1848 ist auf eine erneute Wirtschaftskrise zurückzuführen und leitete den Untergang der Julimonarchie ein. Ein Teil der Weber griiff im Feburar 1948 in Croix-Rousse erneut, aber zum letzten Mal, zum Mittel des Aufstands, dieses Mal auch zu den Waffen. Im Juni 1849 fand der Aufstand der „Voraces“ (der „Gefräßigen“) auf den Treppen von Croix-Rousse statt. Eine gewalttätige Unterdrückung ließ nicht auf sich warten, sie bedeutete das Ende des Aufstand in Croix-Rousse. Napoleon der III. ließ die Befestigungsanlagen abreißen und Croix Rousse wurde 1852 an Lyon angegliedert.

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